Hintergrund: Geschmacksknospen sind Ansammlungen von schlanken Epithelzellen, die chemische Reize aus der äußeren (oralen) Umgebung aufnehmen. Im Gegensatz zu den umfangreichen und gut dokumentierten Informationen über die Morphologie der Geschmacksknospen bei erwachsenen Menschen und Tieren gibt es nur wenige Berichte über fötale Geschmacksknospen, und ultrastrukturelle Studien über pränatale menschliche Geschmacksknospen fehlen völlig. Daher wurde die vorliegende Untersuchung durchgeführt, um das Geschmacksknospenprimordium, seine morphologischen Veränderungen einschließlich der Synaptogenese, Zelldifferenzierung und Geschmacksporenbildung vom Beginn der Geschmacksknospenbildung um die 8. Woche bis zur 15. postovulatorischen Woche zu untersuchen.

Methoden: Geschmacksknospenprimordien von 42 menschlichen embryonalen/fetalen Zungen wurden mittels Transmissionselektronenmikroskopie untersucht.

Ergebnisse: Nervenfasern erreichen das linguale Epithel zwischen der 6. und 7. postovulatorischen Woche. In der 8. Woche durchdringen sie die Basallamina und bilden Synapsen mit wenig differenzierten, verlängerten Epithelzellen. In der 12. Woche sind differenziertere Zelltypen zu sehen: 1) elektronendichte Zellen, die den Typ-III-Zellen der adulten Geschmacksknospe ähneln und eine große Anzahl dichtkerniger Bläschen (80-150 nm Durchmesser) enthalten; 2) elektronendunkle Zellen mit gut entwickeltem endoplasmatischem Retikulum und vielen apikalen Mitochondrien, die Kandidaten für Typ-II-Zellen sind. Basal haben diese Zellen fußähnliche Fortsätze, die dichtkernige Vesikel (120-200 nm Durchmesser) enthalten, aber keine Synapsen zu Nervenfasern bilden. Zellen vom Typ I, die durch apikal gelegene dichte sekretorische Granula gekennzeichnet sind, werden nicht beobachtet. Erste flache Furchen oberhalb des Geschmacksknospen-Primordiums finden sich um die 10. Untypisch differenzierte apikale Zellfortsätze erstrecken sich auf die Oberfläche. Die meisten Geschmacksporen entwickeln sich um die 14. bis 15. Woche. In der Geschmacksgrube ist in den ersten 15 Wochen der Trächtigkeit kein Schleimmaterial vorhanden. Synapsen zwischen Zellen und afferenten Nervenfasern sind ab der 8. Woche vorhanden und erreichen um die 12. bis 13. Woche ein Maximum.

Schlussfolgerungen: Das frühe Vorhandensein von Geschmacksknospenzellen, die dichtkernige Vesikel enthalten, deutet auf eine zumindest zweifache Funktion der embryonalen/fetalen Geschmacksknospen hin: Erstens sollten von der 8. bis zur 14. Woche nicht-gustatorische, parakrine Funktionen in Betracht gezogen werden. Nach der 14. Schwangerschaftswoche, wenn typische Geschmacksporen vorhanden sind, beginnen die Geschmacksknospen möglicherweise ihre gustatorische Funktion. Differenzierte Randzellen sind möglicherweise an der Bildung der Geschmackspore beteiligt. Das Fehlen von Typ-I-Zellen, die das schleimige Material in der Geschmacksgrube produzieren, deutet darauf hin, dass die Geschmacksknospe bis zur 15. Schwangerschaftswoche keine voll entwickelte Funktion hat.

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